Bernhard Matter / Der „Erzgauner” von Muhen

Eine berühmt-berüchtigte, über die Kantonsgrenze hinaus bekannte Persönlichkeit stammt aus Muhen.

Der Erzgauner Bernhard Matter - 1821 im „Bären” zu Muhen geboren und als 33-Jähriger unter dem Schwertstreich des Scharfrichters in Lenzburg gestorben.

„Das Stehlen entsprang seiner Natur. Einbrechen war ein aufregender Sport. Was viele Millionen Menschen heute als Leser von Kriminalromanen und als Zuschauer von Kinostücken geniessen und ausleben, tat er als einfacher Mensch in Wirklichkeit”, schrieb Charles Tschopp in seiner Erzählung „Der Meisterdieb” (Gute Schriften 1964), in der er in freier Gestaltung das abenteuerliche Leben und das tragische Sterben des unglücklichen Bernhard Matter nach der hervorragenden Monographie von Nold Halder schildert.

Bernhard Matter ist eine Legende geworden (nicht nur in einem Chanson seines Nachfahren, des Berner Troubadours und Bänkelsängers Mani Matter), weil er, so sagt es der Volksmund, ein Freund der Armen gewesen sei, nur die Begüterten um ein weniges ihres Reichtums entlastet, mit List und Gewandtheit immer wieder der Obrigkeit ein Schnippchen geschlagen und seine oft magere Beute freigebig verteilt habe. Matter war ein Galgenstrick - doch im Volke war er ein Gaunerheld, den man achtete und bewunderte.

Früh übt sich, was ein Gauner werden will ...

Bernhard Matter wuchs in Untermuhen auf, besuchte dort auch die Schule, wenn er sie nicht gerade schwänzte, wie dies recht oft geschah. Schon früh konnte er seinem Trieb zu stehlen was ihm unter die Finger kam, nicht widerstehen. Doch es war schwer, ihn zu überführen, allzu geschickt stellte er es immer an. Korn und Roggen stahl Matter, bis eines Tages doch die Strafe kam. Er wurde zu einer Kettenstrafe verurteilt. Später half er mit beim Kasernenbau in Aarau (und marschierte jeden Tag von Muhen nach Aarau und zurück). Im „Obertel” nistete sich Matter bald darauf ein und ging Nacht für Nacht auf Raubzüge durch den ganzen Aargau und in die Nachbarkantone, stahl, was ihm in die Finger kam, scheute auch vor Einbrüchen nicht zurück und verkaufte die heisse Ware zu Hehlerpreisen. Matter wurde erwischt, eingekerkert, flüchtete, entzog sich immer wieder auf abenteuerliche Weise der Polizei. Im Dorf kannte man ihn, doch verriet ihn lange Zeit niemand, bis doch einmal ein „Verleider” das Versteck Matters preisgab. Bernhard wurde verurteilt (16 Jahre Kettenstrafe), brach aus dem Zuchthaus Baden aus, ging wieder auf Diebestour von seinem Heimatort aus, wollte auswandern, kam zurück, stahl, brach ein, wurde schliesslich gefasst und in Lenzburg inhaftiert, 1851 zu 20 Jahren Kettenstrafe verurteilt, entfloh wieder... Doch Matter war in seinem Schicksal gefangen. Er wurde wieder festgenommen und in eine „ausbruchsichere” Zelle, die „Matterzelle” auf der Festung Aarburg verbracht.

Zum Tode verurteilt!

Doch noch einmal gelang Matter das kaum für möglich Gehaltene: 1853 war er wieder in Freiheit. In Muhen fand er wieder Aufnahme bei Bekannten und Verwandten und versorgte diese mit gestohlenen Waren. Am Neujahr 1854 wurde er in der Herberge Teufenthal erneut entdeckt, festgenommen, in Aarau eingesperrt und zum Tode verurteilt. Eine Begnadigung wurde abgelehnt. Matter fiel am 26. Mai 1854 bei den Fünflinden in Lenzburg durch das Schwert des Scharfrichters. Es sollte das letzte Todesurteil sein, das im Aargau gefällt wurde.
Bernhard Matter von Muhen aber, der bei seinen Übeltaten niemals Gewalt angetan hatte, blieb in der Erinnerung des Volkes als Dieb von ungewöhnlichen Fähigkeiten und Freund der Armen und Rechtlosen, um den sich bis heute unzählige Geschichten ranken.